Der 2. Tag

Sonderlich erholsam war die letzte Nacht zwar nicht, dafür aber kostenlos. In einem Dorfladen stocke ich noch Proviant auf. Heute sieht es draußen nicht so toll aus, es könnte Regen kommen.

böses omen3

Ein schlechtes Omen? Allerdings:

Regen

Im Regen fahr ich über die Landschaften, von Dorf zu Dorf. Heute kommt mir alles seltsam fremd vor. Nichts ist bekannt, nirgendwo ist man zu Hause und ständig umschleicht einen eine nagende Einsamkeit. Mir wird langsam bewusst, warum in allen Radreise-Ratgebern geschrieben wird, dass die mentale Herausforderung die Größte ist. Auf der einen Seite das Alleinsein und Zurücklassen von allem Gewohnten, allem Vertrauten für eine gefühlte Ewigkeit, auf der anderen Seite die notwendige Kraft und Ausdauer sich und sein Rad 80, 90 oder 100 Kilometer am Tag fortzubewegen.

Gegen Abend erreiche ich Bad Aibling. Da in meinen Beinen jeder Muskel zwickt will ich mir heute ein Bett gönnen und in Bad Aibling müsste ich ja ein Bezahlbares finden. Pustekuchen! Am Ende fahr ich 15 Kilometer gegen den Wind zurück, nach Bad Feilnbach.

 

Der 3. Tag

Gottseidank scheint heute wieder die Sonne. Während ich Frühstücke komme ich sogar einer Frage des Lebens näher. Ich habe mich quasi auf die Antwort zu der Frage „Was ist Liebe?“ gesetzt.

Liebeistwennmankackt

Und die größte Freude des Tages: Ich habe meinen verloren geglaubten USB-Stick wieder gefunden. Das heißt: endlich Musik! Da fährt es sich gleich mal 20 Prozent zügiger. Nach einer Weile bin ich aber mit der Playlist durch und es wird wieder müßig. Jedoch ist heute mein Glückstag. Auf dem Weg begegne ich einer Gruppe von ca. 20 Rentnern, die nach Mühldorf unterwegs sind. Da die Hälfte E-Bikes fährt sind sie recht flott unterwegs und ich hänge mich in den Windschatten.

Rentnergruppe

Wir kommen ins Gespräch und schließlich kehre ich mit ihnen noch in ein Gasthaus ein. Von einem besonders netten Ehepaar werde ich sogar noch die letzten 40 km mit dem Auto nach Pfarrkirchen gefahren. Nach 90 km mit meinem schweren Reiserad hätte ich dazu nicht mehr die Beine gehabt.

 

Was hat dir an den letzten zwei Artikeln gefallen, was nicht? Schreib es doch mal in die Kommentare!

 

Datum: 25. Juli 2015 - 26. Juli 2015

15 Kommentare

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  • Echt richtig cool wie du alles dokumentierst, und natürlich auch dein Projekt an sich! Lässt sich gut lesen und ich werde auf jedenfall dran bleiben 😉 Viel Glück und Spaß noch – Johannes

  • Hi Samuel,
    Du schreibst wirklich klasse und sehr ehrlich! Gefällt mir. Aber ich wüßte doch gern, wer da am abend des 1. Tages kam? Bin gespannt wie es weitergeht. Gruß, Sandra

    • Hallo Sandra,

      danke für das Feedback! Ich denke, dass das ein kleines Reh war. Es kam immer ganz schüchtern angehüpft und hat dann wieder einen Satz zurück gemacht. Sicher bin ich mir allerdings nicht, man kann nämlich nicht aus dem Zelt kucken.

      Schöne Grüße

      Samuel

  • Ja, wirklich spannend, dein Bericht und teilweise amüsant. Das mit dem Gefühl der Einsamkeit kann ich gut nachvollziehen. Das wär für mich auch das größte Hinderniss dergleichen zu versuchen – von anderen Dingen abgesehen.
    Morgen erscheint samuelontour.com auf dem Schulticker. Bei meiner Abschiedsvorstellung in der Schulversammlung will ich dein Projekt kurz vorstellen, if you don’t mind.
    Schöne Grüße auch von meiner Frau, die ist auch schon angefixt von deinem Journal. Ch. S.

    • Das ist ja genial! And I don’t mind! Sie können das Projekt sehr sehr gerne vorstellen. Ich bin wirklich äußerst dankbar für ihre Unterstützung. Danke sehr!

      Schönen Gruß an Sie und Ihre Frau!

      Samuel

  • Hallo Samuel,

    wir freuen uns auf jeden neuen Eintrag. Wir haben auch schon kräftig für Deinen Blog geworben.

    Freut uns, dass Du nach dem einsamen Regentag ein bisschen Gesellschaft bekommen hast und Unterstützung.

    Es ist schön, nicht nur schöne Fassade beschrieben zu bekommen, sondern auch das, was Dich wirklich bewegt. Dein Blog gefällt uns, wir bleiben bei Dir ☺

    Liebe Grüsse

    Werner und Sandra

    • Danke für die Hilfe! Genau. Ich will den Leser auf beide Seiten mitnehmen. Die Guten, aber auch die Schlechten. Freut mich, dass es euch gefällt.

      Liebe Grüße

      Samuel

  • Hallo Samuel,

    bin durch meinen Sohn Moritz Maier der mit Dir Abi gemacht hat auf Deine Seite gekommen. Kann mich nur alle ‚Vorschreibern‘ anschließen. Respekt und Hut ab für Dein Projekt! Denke wir Älternen können Dich gut verstehen und…beneiden Dich auch das wie Du das durchziehst. Egal wie weit Du kommst…..das wird Dich fürs Leben prägen! Viel Glück weiter und das Dir nichts passiert!
    Liebe Grüße
    Thomas Maier

  • Hallo Samuel
    Magst du dich errinern wie wir dein Rad in Ottenheim bewacht haben, du warst auf dem Weg nach Linz.
    Es gefällt mir sehr gut deine Blogs zu lesen, vorallem was dich innerlich bewegt. Es ist nicht ohne, so weit weg von zu Hause zu reisen, auf sich alleine gestellt sein. Aber das Experiment ist es Wert, bravo zu deinem Mut!
    Hans-Ueli

    • Hallo Hans-Ueli

      Ja, ich erinnere mich. Sowas hilft einem immer weiter, wenn man alleine reist. Toll, dass du auf meinen Blog gekommen bist und schön, dass es dir gefällt!

      Samuel

  • Die Mentale Herausforderung ist tatsächlich am schwersten.
    Motivation ist immer ganz oben. Aber nach den ersten Tagen . Besonders wenn man keine vernünftige Regenerationszeit einhält.
    Mich nerven am schlimmsten nicht richtig Ausgeschilderte Wege. Habe da tolle Erlebnisse gehabt. Kennen vermutlich alle Radler.

    • Das mit den Schildern hast du in ganz vielen Ländern leider sehr häufig. Wie navigierst du? Mit Handy oder GPS klappt es meist auch ohne Schilder recht gut.

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