5 Tage, 600 Kilometer und knapp 5 Euro. So heißt die Herausforderung der nächste Tage. In Shiraz haben ich und Jakob nicht unsere Visumsverlängerung bekommen und so müssen wir den Iran schnell verlassen. Zudem muss ich mit etwa 4,5 Euro auskommen, da ich nicht nochmal Geld umtauschen wollte. So zählt jeder kostenloser Kalorien. Jedenfalls wird es eine Herausforderung und wir sind gespannt, ob wir sie meistern.

Der Start verläuft schon einmal gut. Ein paar Kilometer nach Shiraz werden wir von zwei Obsthändlern angehalten und die Beiden sind so begeistert, dass sie uns jeweils einen Apfel und eine Kaki schenken. Nach ein paar weiteren Kilometern kommen noch ein Salatkopf und vier Karotten hinzu. Als wir einen Zwiebelhändler nett anlächeln, schenkt er uns acht Zwiebeln.

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An der nächsten Tankstelle frägt Jakob einen mit Äpfeln voll beladenen Pickup, ob er uns denn etwas abgeben mag. Mit vier Äpfeln reicher schnorren wir uns auch noch zwei Fladenbrote beim Tankstellenrestaurant.

So genießen wir am Mittag ein Salat-Möhren- Zwiebel-Dürüm, welches ich unter Tränen verschlinge, da der Zwiebelanteil doch etwas arg hoch ist. Danach brennt zwar meine Speiseröhre und ich habe Bauchweh, bereuen, dass ich nicht mehr Geld umgetauscht habe, tue ich aber trotzdem nicht. Die Herausforderung macht Spaß.

Am Nachmittag wird uns sogar noch der Nachtisch geliefert. Als uns eine Polizeistreife anhält, bietet der Polizist uns Kekse an. Ach…die Iraner und ihre Gastfreundlichkeit. Ich finde, an der Sache mit den Keksen könnte sich unsere Polizei mal ein Beispiel nehmen.

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Später finde ich am Straßenrand noch einen Granatapfel und eine Mandarine, die wohl vom Lastwagen gefallen ist. Klasse!

Im nächsten Dorf kaufen wir uns dann für jeweils 60 Cent Fladenbrot. Und als wir aus dem Dorf herausfahren, steigt unser Kalorienkonto nochmals um das doppelte. An zwei Obsständen werden wir angehalten und da wir so nett lächeln und mit ihnen Photos machen, geben sie uns jeweils eine große Tüte mit einer Art grünen Mandarine, Granatäpfeln und Datteln. Hungern müssen wir also nicht.

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Auch der Abend wartet noch einmal mit einer Überraschung auf uns. Wir kommen bei einer Station des Roten Halbmondes vorbei und fragen, ob wir übernachten könnten. Neben einer Übernachtungsmöglichkeit servieren sie uns auch noch ein großartiges Abendessen aus Kartoffelpuffern mit Gemüse und Brot.

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Das Frühstück am nächsten Morgen besteht dann aus den Obsttüten von gestern Nachmittag. Das Ganze ist recht lecker, bloß die grüne Mandarinenart besteht Größtenteils aus Wasser. So spring ich nacher wie doof aufs Klo.

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Gegen Mittag treffen wir dann zwei weitere Radfahrer. Eine Seltenheit im Iran und so laden uns die Beiden zu ihrem Haus ein, auf ein paar Mandarinen und Orangen.

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Als Mittagessen gibt es dann ein paar Fladenbrote mit Datteln. Über Mittag wird es richtig heiß und gerade jetzt müssen wir einen Pass hoch. Sogar die Tiere suchen Schutz vor der Hitze.

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Auf der anderen Seite des Passes werden wir von einem Auto angehalten und bekommen noch mehr von den grünen Mandarinen. Diese Essen wir dann bei einem Mittagssnack. Ein Hund setzt sich ein bisschen entfernt neben uns und beobachtet uns beim Essen. Ich komme ins Grübeln. Wir bekommen so viel geschenkt von den Iranern, aber dieser arme Hund muss sich sein Essen hart erkämpfen. Ich gebe ihm ein Fladenbrot, aber die großen schwarzen Augen des Hundes bewegen mich dazu, ihm noch ein Weiteres zu geben und dann noch eins. Ich liebe Hunde.

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Am Abend finden wir dann einen guten Platz zum Campen in einem kleinen künstlichen Wäldchen neben einer Tankstelle. Wir haben noch Sojaprotein und Zwiebeln übrig und so kochen wir eine Sojahackfleischpampe.

Wobei diese aber doch recht gut schmeckt, zu mindestens besser, als das Frühstück am nächsten Morgen. Da versuchen wir nämlich ein Porridge aus Haferflockenpulver und Wasser zu machen. Dass das Haferflockenpulver seinen Weg aus meinen Taschen in meinen Magen seit der Türkei nicht gefunden hat, hat seinen Grund. Es schmeckt scheußlich und die Pampe, die nach dem Kochen raus kommt, tut es auch. Bah!

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Zu Mittag habe ich dann einen Platten. Die Sonne brennt vom Himmel und kein Baum ist in Sicht. Und danach geht es in der Hitze auch noch bergauf. Entsprechend entnervt bin ich danach.

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Hinsichtlich kostenloser Kalorien sah es heute eher etwas Mau aus. Da kommt es uns gerade recht, als wir von einer iranischen Familie zum Picknicken eingeladen werden. Hungrig verputzen wir alles, was sie uns vorsetzten und am Ende bekommen wir sogar noch Datteln und Knabberzeug geschenkt.

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Als es dunkel wird finden wir ein verlassenes Haus irgendwo im nirgendwo. So ganz sicher sieht diese Unterkunft zwar nicht aus, da die eine Hälfe der Decke schon eingestürzt ist. Da die andere Decke an irgendeinem andern Tag einstürzten muss, berechnen wir die Wahrscheinlichkeit mit 1/364. Wofür geht man denn auch so lange ins Gymnasium? Das Risiko ist annehmbar.

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So richtig gut schlafen kann ich in der offenen Hütte aber nicht. Irgendetwas krabbelt ständig herum. Eine Maus? Eine Ratte? Oder spielt meine Fantasie mit mir?

Trotz der Übermüdung geht es am nächsten Morgen dann um 5:00 aus den Federn. So können wir um 6:00 starten. Wir haben uns nämlich überlegt, dass wir die fünf Tage auf vier Tage verkürzen könnten, wenn wir heute 200 Kilometer schaffen. Realistisch? Mein weitester Tag war bis jetzt 140 Kilometer. Aber wer will denn schon realistisch sein? Eben.

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Unser Vorhaben verläuft aber erstaunlich gut. Trotz Steigung und kaum Rückenwind kommen wir schnell voran. Pause machen wir nicht, nur einmal kaufen wir noch etwas Brot für 30 Cent. Das Brot wird dann aber auf dem Rad gegessen. So haben wir zur Mittagszeit bereits 150 Kilometer geschafft und halten eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 24,5 km/h. Da ich hier noch einmal angeben will: das ist die Durchschnittsgeschwindigkeit! In der Ebene mussten wir so etwa 30 km/h gehalten haben.

Leider ist nach den 150 Kilometern dann aber Schluss mit lustig, denn als wir die Küste erreichen, bläst uns heftiger Gegenwind um die Ohren. Und auch meine Beine fangen stark zum Zwicken an. Ob das Ganze eine sinnvolle Idee war? Aber wer will denn schon sinnvoll sein? Eben.

Wir halten trotzdem durch und als der Wind merkt, dass er uns nicht aufhalten kann, unterstütz er uns irgendwann und wir haben die letzten Kilometer Rückenwind. So erreichen wir den 200ten Kilometer knapp vor der Stadt. Hurra!

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Es kommen aber noch 30 Kilometer in der Stadt hinzu. Wenn mir jemand bei Kilometer 150 gesagt hätte, dass ich noch 80 Weitere fahren werde…das ist eine Tagestour normalerweise. Jedenfalls brechen wir so alle persönlichen Rekorde und ab nun kann ich stolz sagen, dass ich 230 Kilometer gefahren bin. Wichtig? Eher nicht. Aber trotzdem schön.

 

Von Bandar Abbas geht es dann nach Dubai. Hier habe ich geplant, mein Indienvisum zu beantragen. Leider können das dort nur Ansässige und so fliege ich weiter nach Sir Lanka. Dort klappt das Indienvisum dann problemlos. Die Wartezeit nutze ich dann dazu, Elefanten zu besichtigen. Und mein Onkel reist geschäftlich zufälligerweise genau jetzt nach Sri Lanka. So erhalte ich auch Nachschub an Flicken, Reifen und Fruchtschnitten (Jey!).

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Das war nur die erste Hälfte der Reise. Viel habe ich erlebt, viel gelernt und viel darüber geschrieben. Wenn ich nochmal Abi machen würde, würde ich nochmal mit dem Rad aufbrechen. Das steht fest. Was jedoch nicht feststeht, ist was ich in den nächsten Monaten erleben werde. Diese Geschichte wird noch geschrieben und sie startet mit Indien. Ich hoffe ihr seid gespannt, ich bin es.

 

Datum: 18. November 2015 - 22. November 2015

6 Kommentare

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  • Ja, lieber Samuel selbstverständlich bin ich gespannt auf die Berichte deiner Reise. Ich freue mich und leide mit dir.
    Ich wundere mich wie du das kräftemässig und körperlich schaffst, grandios!
    Alles Gute auf deiner Weiterfahrt.
    Hans-Ueli Kohler

  • Hallo Samuel,
    es wäre richtig schade, wenn du nicht zwischendurch mit deinen Leistungen prahlen würdest! Unglaublich, welche Kräfte und Ausdauer du bei Bedarf mobilisieren kannst!
    Irgendwie schaffst du es immer wieder von Neuem, jeden Beitrag – obwohl du ja hauptsächlich nur wieder einmal mehr radelst – doch immer neu zu registrieren, neue Töne anzuschlagen, neue Themen zu behandeln, so dass man nach und nach viele Aspekte und Facetten deiner Reise kennen lernt.
    Freue mich auf den 2. Teil der Reise!
    OM SHANTI OM
    Lutz

  • Hallo Samuel,
    ich beneide Dich um dieses Abenteuer, gebe aber offen zu, dass ich, selbst wenn ich in Deinem Alter wäre, hierzu nicht den Mut gehabt hätte – vor allem nicht alleine. Ich wünsche Dir weiterhin viel Glück, Spaß und gastfreundliche Menschen auf den nächsten Etappen. Ich werde weiterhin mal in Deinem Blog vorbeischauen.
    Liebe Grüße
    Stefan

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