Am nächsten Tag geht es erstmal kurz in die Stadt Bolu. Nach Bolu leitet mich mein Navi von der Autobahn auf Seitenwege. Und die sind wirklich schön. Mein Weg führt mich über wunderbare, weite Landschaften und durch herrliche, sonnige Täler. Alles ist zwar etwas staubig und trocken, hat aber dennoch seinen Reiz.

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Und als ich mir gerade meinen Weg über die staubigen Feldwege bahne, springt auf einmal etwas aus dem Gebüsch. Ach, nur ein Hund, bemerke ich nach dem ersten Schreck. Doch dieser Hund hält schwanzwedelnd auf mich zu. Tierlieb, wie ich bin, kann ich natürlich nicht anders, als zu bremsen und den Hund zu streicheln. Das findet der Hund natürlich super und folglich will er mich nicht einfach gehen lassen. Als ich nach einer viertel Stunde weiter fahren will, fängt er deswegen an, neben mir her zu laufen. Oder eher neben mir herzuspringen. Zu springen und zu jauchzen, vor Freude endlich ein neues Rudel gefunden zu haben. Selten habe ich so einen glücklichen Hund gesehen und sein übermütiges Tollen bringt mich zum Grinsen.

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Doch schnell wird es Zeit für die erste Erziehungsmaßnahme. Der Hund bellt stets die Kühe an, die wir passieren. Wahrscheinlich aus Angst. Ich treibe ihm das Ganze aus, indem ich ihn immer mit Wasser bespritze, wenn er bellt. Nachdem das geklärt ist, überlege ich wie ich ihn nennen könnte. Da es ein Weibchen ist, finde ich Rosalie ganz passend.

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Vier ganze Stunden folgt mir Rosalie. Wir haben wahnsinnig viel Spaß und ich genieße es, wieder einmal Begleitung zu haben, auch wenn es nur ein Hund ist. Aber nach den vier Stunden holt mich die Realität wieder ein. In absehbarer Zeit, werde ich von den romantischen Feldwegen auf eine besser befahrene Hauptstraße abbiegen. Wenn Rosalie nicht als Straßenbelag enden soll, ist es undenkbar sie dahin mitzunehmen.

Doch wie werde ich sie wieder los? Ja, das ist eine gute Frage. Verscheuchen? Fehlanzeige! Rosalie weiß gar nicht, was ich will, wenn ich versuche sie zu verscheuchen. Nächste Option ist: Gas geben. Ich rase also mit einem Affentempo die Hänge runter, lande fast im Straßengraben und das Ganze nur um beim nächsten Anstieg wieder zwei verdutzt guckende Hundeaugen im Rückspiegel zu entdecken.

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So geht die Jagd weiter, bis zum letzten Hügel vor der Hauptstraße. Meine letzte Chance. Der letzte Hügel ist um einiges höher, als die Vorherigen. Ich stehe also auf der Spitze des Berges, kucke Rosalie ein letztes Mal in die Augen (Nun gut, zu mindestens hoffe ich das.), klippe mich in meine Pedale ein und dann geht es los. Wie vom Teufel getreten, steige ich in die Pedale und beschleunige den Hang herunter. Nach kurzer Zeit rase ich in ein Dorf und rums! Ich verliere fast die Kontrolle über mein Rad und überschlage mich beinahe. Was ist das denn? Ein Loch in der Straße!?! Wer gräbt den bitte Löcher in Straßen? Anscheinend haben die Bewohner des Dorfes große Freude daran, da das ganze Dorf mit Löchern in den Straßen übersät ist! Verflucht und zugenäht! Auch Rosalie hat mich jetzt natürlich wieder eingeholt.

Aber der Hügel ist ja noch nicht zu Ende. Zwei Drittel bleiben mir noch. Also nochmal: Gas geben. Und diesmal scheint es zu klappen. Ich schaue mich um und gucke in zwei verzweifelte Hundeaugen. Rosalies Beinchen versuchen sie so schnell zu tragen, wie es nur geht. Schneller und schneller, doch es ist nicht schnell genug. Sie schaut mich an, lässt ein jammerndes Bellen ertönen, versucht das Unvermeidbare zu verhindern. Den Verlust ihres neuen Rudels. Dann bin ich um die nächste Ecke. Das Bild hat mir fast das Herz gebrochen. Ich komme unten an und diesmal ist nichts mehr von einer Rosalie zu sehen. Zögernd setzte ich meinen Weg auf der Hauptstraße fort, die doch nicht so befahren ist, wie gedacht. Ich fahre nur langsam weiter, da ich insgeheim hoffe, Rosalie könnte mich doch wieder einholen. Ich sehe sie jedoch nie wieder. Es tut mir Leid Rosalie, aber unsere Freundschaft hätte einfach keine Zukunft gehabt. Trotzdem Danke für den großartigen Nachmittag.

 

Karte:

 

Datum: 16. September 2015

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