Am nächsten Morgen mache ich mich früh wieder auf den Weg. Nach einigen Kilometern verfängt sich ein Gepäckspanner in meinen Speichen und reißt. Na toll, wie soll ich jetzt eine Isomatte sichern? Ein Inder, der erst anhält um mich anzustarren schenkt mir ein Seil. Danke!

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Kurz darauf erreiche ich die nächste größere Stadt Buldana. Ich nehme ein Frühstück ein und gerade der gepuffte Reis ist hier an einem Stand wahnsinnig lecker.

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Dann löse ich erst einmal die Höhenmeter ein, die ich mir mit der Anstrengung der letzten Tage gut geschrieben habe. In Serpentinen geht es eine paar hundert Meter nach unten. Den restlichen Tag über geht es etwas ereignisloser durch ebene Landstriche. Aber sicher nicht langweilig. Die Sonne scheint, es ist herrlich warm und ich komme gut voran.

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Später am Nachmittag werde ich wieder einmal mit meiner Vergänglichkeit konfrontiert. Am Straßenrand steht eine große Menge Inder um einen regungslos am Boden liegenden Motorradfahrer. Ich habe auf den knapp 9.000 meiner Reise schon oft solche Unfälle gesehen. Und jedes Mal wieder rufen sie einem die eigene Verwundbarkeit in den Kopf.

Am Abend komme ich dann in eine kleine Stadt. Ich fahre einmal durch sie hindurch, auf der Suche nach einem geeigneten Schlafplatz. Am Ende angekommen frage ich ein paar Inder und sie meinen, dass zwei Kilometer zurück ein ganz neuer Tempel erbaut worden sei.

Zwei Kilometer zurück?? Ich gebe nur ungern errungene Kilometer wieder Preis. So entscheide ich mich stattdessen weiter nach vorne durchzufahren. Mit solchen Aktion hatte ich bis jetzt ja auch immer Glück. Nicht.

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So frage ich mich weiter durch. Nach 6 Kilometern erreiche ich ein Guesthouse, aber nunja, ich will eigentlich nicht so viel zahlen. Nach 10 Kilometern erreiche ich dann einen sehr kleinen Tempel, werde dort aber abgewiesen und zurück zu dem Tempel verwiesen, der mir bereits in der letzten Stadt empfohlen wurde. Nach 12 Kilometern finde ich dann ein großes Gebäude mit viel Fläche und mir wird erlaubt dort zu zelten. Mein Bauchgefühl sagt mir aber an, dass hier kein guter Ort ist. Nun, dann geht es eben wieder weiter. Nach 15 Kilometern finde ich dann ein Restaurant, in dessen Garten ich zelten könnte. Das Restaurant ist aber mehr eine Bar und mein Zeltplatz liegt auf dem Weg zu den Toiletten. Ich weiß ja nicht ob das so eine gute Idee ist. Mir wird dort aber der Tipp gegeben, dass in 15 weiteren Kilometern noch ein Tempel kommt.

Klasse! Ich schwinge mich auf mein Rad und los geht es. Jedoch sitzen mir die 120 Kilometer des heutigen Tages doch ganz schön in den Beinen und so komme ich langsamer voran, als die rasch sinkende Abendsonne verlangen würde. So gurke ich eine ganze Weile durch die Gegend bis ich in der Entfernung endlich meine Rettung sehe.

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Gerade rechtzeitig.

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Ich erhalte ein Zimmer, nicht gerade luxuriös und etwas dreckig. Dafür aber kostenlos und ich musste keine zwei Kilometer zurückfahren. Ein Junge aus dem Dorf bringt mir sogar noch ein Abendessen vorbei.

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Mitten in der Nacht schrecke ich dann bei einem Geräusch in die Höhe. Irgendetwas tapert durch das Zimmer. Ich bin aber viel zu müde um mir darüber weiter Gedanken zu machen und lasse mich wieder in mein Bett fallen. Erst als zwei Pfoten mich auf der Stirn berühren schrecke ich hoch und knipse das Licht an. Durch mein Zimmer rennt eine dicke Ratte und jetzt, im Rampenlicht, versteckt sie sich hinter meinem Rad! Ich zische einmal und das Ding rennt furchtvoll zur Tür, krackselt sie hoch und quetscht sich durch den Kuckschlitz. Was man nicht alles erlebt, denke ich mir nur und lasse mich zurück in meinen wohl verdienten Schlaf fallen.

 

Datum: 23. Januar 2016

2 Kommentare

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  • Hallo Samuel,
    Deine Begegnung mit der Ratte und das in Indien!
    Den Indern gilt die Ratte wegen ihrer Klugheit ja als heilig und sie ist das Reittier des beliebten Gottes Ganesha.
    Ich verfolge Deine Reiseberichte schon sehr lange und ich finde es absolut genial, was Du machst und dass Du uns an Deiner Reise so wunderbar teilhaben lässt.
    Viel Glück weiterhin!
    Teresa

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