Am nächsten Morgen breche ich in aller Herrgotts Früh vom Tempel auf. Mittlerweile ist es am Morgen richtig kalt, da ich immer weiter in den Norden komme und so trage ich Bein- und Armlinge und mein Buff als Mütze.

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Nach der nächsten Stadt geht es in ein hügeliges, aber sehr schönes, bewaldetes Gebiet.

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Ich treffe kaum auf Dörfer oder Ansiedlungen, dafür ragt eine riesige Festung über das Land. Herrlich!

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Über den Tag hinweg komme ich an vielen ärmlichen Hütten vorbei. Frauen sammeln Kuhmist von den Feldern um damit heizen zu können. Und auch die Kinder sehen sehr arm aus.

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Manche sammeln etwas auf den Feldern. Vielleicht Feuerholz?

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Gen Abend komme ich dann in eine große Stadt. Ich habe mich bereist davor erkundigt, dass es hier eine Kirche gibt. Und diese ist nun mein erster Anlaufpunkt für einen Schlafplatz. Die Leute dort wollen mir zwar gerne helfen, sind jedoch etwas zögerlich, da die Polizei sowas eigentlich verbietet. Letztendlich bringen sie mich in einer Baustelle unter. Mir ist das vollkommen recht und ich bekomme sogar noch zu essen.

Früh am nächsten Morgen starte ich dann wieder. Ich bin gerade erst zehn Kilometer in den Tag, da entdecke ich ein kleines Trauerspiel am Rande der Straße. Eine überfahrene Hundemutter liegt tot am Straßenrand, ihre drei kleinen Welpen sitzen um sie herum und verstehen nicht, warum ihre Mutter sich nicht mehr bewegt. Die Kleinen müssen auch schon länger da sitzen, da in der Mutter schon ein großes verwesendes Loch zu sehen ist.

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Mir tun die Drei wahnsinnig leid. Und mich überkommt der Ärger, dass sich keiner einen Dreck um sie kümmert. Sie sitzen an einer stark befahrenen Straße und es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis sie überfahren werden. Aber dann denke ich mir, ich tue ja eigentlich auch nichts.

Dieser Gedanke packt mich. Warum auf anderen rumhacken und nicht selbst in Aktion treten? Ich radle zurück zur letzten Stadt und besorge ein paar Dinge. Mein Plan: die Kleinen mitnehmen. Das ganze fühlt sich furchtbar dämlich an. Fruchtbar dämlich! Einfach drei Welpen in Indien vom Straßenrand aufzuklauben, in eine Kiste zu stopfen und damit durch die Gegend zu gurken, in der Hoffnung ein Tierheim zu finden.

Zurück bei den Welpen mache ich mich an den Umbau meines Rades. Zu mindestens das funktioniert. Der Kasten sitzt bombenfest.

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Jetzt müssen sie da nur irgendwie rein. Als ich den ersten Welpen mit Keksen anlocke und hineinhieve, passiert er aber. Hätte ich wohl ein bisschen mehr nachgedacht, hätte ich das kommen sehen können. Er beißt mich in die Hand.

Schockiert stehe ich da. Meine Hand blutet und fast in Zeitlupe rollt ein kleiner Tropfen an meinem Finger herunter. Da stoppt auf einmal ein Inder neben mir und frägt: „Selfie?“

Was? Er sagt weiter: „Pic! Please pic! Pic!“ Alter! Ich habe gerade andere Probleme. Ich sage ihm das und der frägt nur: „Why?“ und lässt nicht nach mit seinem dummen Photo. Okay, ich frage ihn, ob er mir kurz helfen kann, dann können wir ein Photo machen. Er grinst mich kurz an, sagt „No, sorry“ und Schwups, fährt davon. Vielen Dank auch.

Kurz drauf kommt einer von diesen heiligen in orange gekleideten Männern vorbei. Er frägt mich nach ein bisschen Geld und ich gebe ihm bloß mit meiner blutenden Hand zu verstehen, dass ich andere Probleme habe. Daraufhin nimmt er diese, legt ein paar Blumen hinein und sagt ein paar Sprüche auf. Ich schenke dem kaum Beachtung und überlege wie ich denn das nächste Krankenhaus finden kann. Ich brauche auf jeden Fall eine Tollwutspritze, sonst laufe ich Gefahr, dass ich davon weg gerafft werde.

Mittlerweile hat der Mann seinen Spruch beendet, doch als ich seine Blumen fallen lasse, schaut er mich wie erstarrt an. Er fasst sich aber schnell wieder und frägt ob er nun endlich sein Geld haben könnte? Bin ich heute im falschen Film gelandet?

Mit Hilfe eines Freundes kann ich über mein Handy das nächste Krankenhaus ausmachen. Ich radle dort hin und muss mich erst einmal durch schlechtes Englisch kämpfen um klar zu machen, was ich brauche. Von einem Arzt werde ich dann zu einem anderen Arzt geschickt, der mich wieder zu einem anderen Arzt schickt, der aber im Urlaub ist. Nach einem hin und her bekomme ich am Nachmittag endlich die gewünschte Spritze. Und das ist erst die erste von fünf! Na das wird ein Spaß in den kommenden Tagen.

Aufgrund des ganzen Stresses fühle ich mich danach dann nicht mehr nach weiterfahren. Ich nehme mir ein Hotelzimmer und lasse für den heutigen Tag diese verrückte Welt erstmal draußen.

 

Datum: 24. Januar 2016 - 25. Januar 2016

2 Kommentare

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  • Servus Samuel,

    fröhliche Ostern:-)).
    Ich hab mich nun auch mal über Mooji und Satsang “informiert”. Diesbezüglich bin ich absolut unwissend…War “es” so, wie du es dir vorgestellt hast? Ich hab ein bißchen im Mooji-TV geguckt…
    Musstest du dich dort vorzeitig anmelden, oder konnte jeder teilnehmen? Diese Info habe ich nirgendwo gefunden.
    Wahnsinn, wieviele Berichte und Filme du nun schon reingestellt hast.
    Danke dir, ich lese immer noch so interessiert und begeistert wie am Anfang!

    Liebe Grüße!
    Marion

    • Hallo Marion,

      zu viel vorgestellt habe ich mir nicht und durch Videos von Mooji auf Youtube wusste ich in etwa, was mich erwartet. Aber live war es dann doch nochmal was ganz anderes. Mir hat es sehr, sehr gut gefallen.
      Das war alles komplett öffentlich, keine Anmeldung und kostenlos.
      Ich mag Mooji jedenfalls total gerne und kann ihn jedem Interessierten nur wärmstens empfehlen. Wobei für den Anfang Eckhart Tolle vielleicht leichter ist.

      Liebe Grüße

      Samuel

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