Am nächsten Morgen geht es dann weiter. Das Ziel des Tages ist die etwas größere Stadt Latur und etwa 80 km entfernt. Der Weg dorthin ist wenig angenehm, auf dem Highway bei viel Verkehr. Immerhin ist das der kürzeste Weg rein und wieder raus.

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Am späten Nachmittag erreiche ich die Stadt und nehme mir ein Zimmer. Um einen Blogeintrag hochzuladen, suche ich noch ein Internetcafé auf. Das Besondere passiert aber auf dem Weg nach draußen. Ein Inder mit seinem Freund grinst mich nett an und kommt draußen auf mich zu. Erst denke ich mir, nicht schon wieder. Ich stehe etwas auf Kriegsfuß mit Annäherungen der Inder. Es ist einfach zu viel.

Der Inder ist aber ganz aufgeregt. Nach einem Selfie platz es aus ihm mit einem noch dickeren Grinsen heraus: „You are the first foreigner in my life!“ („Du bist der erste Ausländer in meinem Leben!“)

Und es freut ihn sichtlich einen Ausländer zu sehen, sein Gesicht strahlt regelrecht. „Man, man“, denke ich mir nur. Unglaublich, dass er noch nie einen Ausländer gesehen hat. So verstehe ich die Inder, die sich mir andauernd nähern ein bisschen besser.

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Da er mir sehr sympathisch scheint, nehme ich auch an, als er mir die Stadt zeigen will. Auf seinem Motorrad geht es quer durch Latur. Wir halten an mehreren Ständen und er erklärt mir, was was ist und probieren hier und da was. So habe ich auch gleich Abendessen.

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Danach will er mich noch unbedingt seiner Familie vorstellen. So geht es durch dunkle und einsame Gassen in irgendeinen Stadtteil von Latur. Gefährlich, so ganz allein auf dem Motorrad eines Fremden? Eigentlich ja. Ich kann Menschen aber mittlerweile recht gut einschätzen und so verläuft alles wunderbar. Am Ende kann mich das Treffen wieder ein bisschen mit der indischen Neugierde versöhnen.

Am nächsten Morgen steht mein indischer Freund sogar noch extra früh auf, um mich zu verabschieden. Am Straßenrand esse ich Frühstück, dann lasse ich Latur hinter mir.

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Ein paar Kilometer in den Tag werde ich von einem Lehrer am Straßenrand zu seiner Schule eingeladen. Ich bleibe dann dort länger als geplant. Erst durchlöchern mich die Lehrer mit Fragen, dann stelle ich mich auch noch den Schülern vor. Sie laden mich zwar auch noch zum Mittagessen ein, ich muss jedoch weiter.

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Auf der Karte habe ich entdeckt, dass mir ein paar Berge bevorstehen. Deswegen bin ich den ganzen Tag schon etwas schlecht gelaunt und demotiviert. Wer fährt den gerne auf Anstrengung zu? Als ich dort aber ankomme finde ich eine wunderbare Straße und Aussicht vor. Wegen wenig starker Steigung rase ich die Hänge hoch und runter. Letztlich ist mir das Stück viel zu schnell vorbei. Das ist mir mal wieder eine Lehre. Wie unnötig der Miesepeter, nur wegen einer faschen Vorstellung.

Danach ist es bereits früher Nachmittag. Die nächste Stadt wäre noch leicht zu erreichen, die übernächste vielleicht auch noch möglich. Aber ich wäre aber wohl kein Samuel, wenn ich mich nicht für die Übernächste entschiede. Also los, ranklotzen ist angesagt, über die Hauptstraße müsste ich gut vorankommen.

Hauptstraße? Ich muss dieses Statement nach Stadt Nr. 1 ziemlich schnell in „indische Hauptstraße“ verbessern. Denn nach Hauptstraße sieht die Buckelpiste, die mich erwartet kaum aus. Die ganze Straße ist ein einziges Schlagloch, was sich für mehrere Kilometer durch die Landschaft zieht. Und im meinem Nacken sitzt mir die frech schnell sinkende Abendsonne.

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Die einkehrende Dunkelheit zwingt mich knapp 10 Kilometer vor meinem Ziel zur Aufgabe. Was jetzt machen? Ich habe Glück im Unglück und stolpere geradewegs über einen kleinen Tempel. Sein Antlitz regt zwar erstmal andere Assoziationen in mir, aber ich werde wärmstens empfangen. Mir wir ein äußerst luxuriöses Zimmer zugewiesen, sogar mit eigener Dusche.

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Die Haushaltsfrau fängt an ein paar Chiapatti über dem Feuer zu machen und der Priester des Tempels lädt einen befreundeten und pensionierten Englischlehrer ein, damit wir uns ein bisschen unterhalten können. So gastfreundlich wird man nicht oft empfangen. Wir essen dann gemeinsam zu Abend, plaudern ein bisschen und der Englischlehrer kündigt an, dass er morgen in der Früh noch einmal vorbeikommen wird um mich ein Stück zu begleiten. Das ist mir zwar gar nicht so recht, aber vielleicht ist es für den Mann ein kleines Abenteuer und so lasse ich ihm den Spaß.

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Gesagt getan. Am nächsten Morgen steht er pünktlich vor dem Tempel und wir brechen gemeinsam auf. Er spendiert mir ein Frühstück am Wegesrand und nach einiger Zeit kommen wir an seinem Haus vorbei. Das will er mir unbedingt zeigen. So folge ich ihm und bekomme gleich nochmal ein zweites Frühstück von seiner Frau serviert. Ja, so lässt es sich leben.

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Da mir heute grimmselig ist, nehme ich dann das Angebot des Lehrers doch ein bisschen zu bleiben dankend an und entscheide erst am nächsten Morgen wieder los zu fahren. Ganz stolz zeigt er mir noch sein Rad. Das hat ungewöhnlicher Weise eine gute Gangschaltung. Vor ein paar Jahren hat er es einem ausländischen Photographen abgekauft.

Am nächsten Tag in der Früh gibt es noch ein schönes Frühstück von seiner Frau. Dann brechen wir auf, diesmal zu dritt. Ein weiterer Freund von ihm begleitet uns noch. Wir trennen uns schließlich gegen Mittag und es geht abermals allein weiter, durch wunderschöne sonnige und trockene, steppenartige Landstriche in denen frei einzelne Bäume stehen.

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Am Abend stellt sich ein wiedermal die Frage: wo übernachten? Ich greife tief in meine Trickkiste und kucke blöd und ahnungslos in der Gegend rum. Es braucht nicht lange, da habe ich auch schon Erflog. Neben mir hält ein Motorradfahrer und spricht mich an, was ich denn hier mache?

Der Motorradfahrer weckt auch mein Interesse. Er spricht außerordentlich gut Englisch und hat seine Royal Enfield mit Reisetaschen beladen. Ich suche einen Schlafplatz, antworte ich ihm. Er meint, dass er das Selbe tue und in etwa einem Kilometer eine Art Hotelanlage wäre.

Dort angekommen, können wir aushandeln, dass er ein Bett im Schlafsaal nimmt und ich kostenlos im Zelt übernachten kann. Wobei ich dann aber in meinem Schlafsack auch im Schlafsaal schlafe, da wir diesen ganz für uns alleine haben. Später erzählt er mir, dass er normalerweise niemanden einfach so anspricht, aber ich habe so ahnungslos in der Gegend umhergeguckt. Tja, ich sage ja. Meine Trickkiste ist tief.

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Wie sich herausstellt, hat er mit seiner Royal Enfield bereits ganz Indien bereist. Außerdem läuft er noch Ultramarathon. Wahnsinn! Ich reise ja auch und liebe laufen ebenso! Wir verstehen uns klasse und reden über alles Mögliche. Er ist sogar schon mit Scott Juraz gelaufen! Der vegane Vorzeigeläufer, der erst letzten den Rekord auf einem berühmten, quer durch die USA verlaufenden Trail gebrochen hat! Wow! Meine Reise findet er genauso wow.

Da das Hotel an dem zweitgrößten Kratersee der Welt liegt, schauen wir am Abend dort auch noch vorbei.

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Am nächsten Morgen gesellt sich sogar noch ein weiterer Biker zu uns dazu. Er hat auch schon ganz Indien bereist und bietet mir seine Hilfe im Fall des Falles an. Es tut gut endlich mal wieder andere Reisende zu treffen. Beide teilen den Spirit für das Reisen und haben auch ein bisschen Abenteuerlust im Blut.

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Des weitere wollte ich noch kurz die unregelmäßigen Blogeinträge entschuldigen. Ich bin jetzt für Satsang mit jemandem namens Mooji für einen Monat in Rishikesh und es ist einfach andauernd etwas los. Ich hoffe, ich komme bald wieder mehr zum Schreiben. Meine Videos kommen dafür etwas regelmäßiger.

 

Datum: 18. Januar 2016 - 22. Januar 2016

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