7 Tipps für Radtouren in Indien

Indien ist kein leichtes Reiseland mit dem Fahrrad. Ich habe über 4.000 Kilometer in diesem bunten, chaotischen Land verbracht. Es ist definitiv eine Erfahrung wert. Wie überlebt man eine Radtour in Indien? Hier sind meine Tipps für all die, die ihre Zeit in Indien im Sattel verbringen möchten.

 

  1. Gesundheit. ist eines der wichtigsten Themen in Indien, gerade für uns Radfahrer. Warum? Passt man nicht auf, kann man schnell an Durchfall erkranken und wir brauchen einen fitten Körper mehr als andere.
    Hygiene ist ein großes Problem in Indien. Aber wenn ihr eine Grundregel beachtet, seid ihr meistens auf der sicheren Seite: Esst an Ständen oder in Restaurants, die gut besucht sind. Nicht nur ist es eine florierende Kundschaft ein gutes Zeichen, ihr könnt so auch ausschließen, dass das Essen lange irgendwo herum lag. Was frisch frittiert oder in Schale ist, ist auch meistens unbedenklich.
    Mein liebstes Essen war übrigens Thali, da man sich nachnehmen und so den hungrigen Radlermagen füllen kann. Auch an Straßenstände habe ich oft gegessen.
    Macht euch zudem damit vertraut mit der Hand zu essen. Es ist eigentlich ganz einfach und macht auch Spaß.
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  2. Moskitonetz. Mit Ausnahme von Sri Lanka sind mir in keinem anderen Land auf meiner Tour so viele Moskitos begegnet. Ich war heilfroh um mein Moskitonetz. Nicht nur gönnt es euch einen ruhigen Schlaf (am Morgen saßen oft 20-30 der gierigen Blutsauger auf meinem Netz), die Mücken übertragen auch manchmal Krankheiten wie Denguefieber.
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  3. Leute. Der Faktor Mensch prägt das Bild des Reiseradlers in Indien wohl kaum wie ein anderer. Man fährt selten irgendwo entlang ohne jemanden in seinem Blickfeld zu haben. Das wäre noch okay, was aber vielen Reiseradlern schnell zu viel wird, ist die ungebremste Neugierde der Inder. Hält man irgendwo an, ist man meist schnell umringt. Am Anfang ist das noch lustig, aber das kann sich schnell ändern. Ich wurde einmal aus einem Restaurant geworfen, da einfach zu viele Inder herein gedrängt kamen um mir beim Teetrinken zu zusehen.
    Hinzu kommen die immer gleichen Fragen: „Wo kommst du her?“, „Wo gehst du hin?“, „Wie teuer ist dein Rad?“ Gerade Motorradfahrer, die einen ein Stück begleiten, fragen dies zuhauf.
    Mein Tipp? Lasst euch darauf ein. Letztlich sind sie einfach nur neugierig, da sie zuvor oft noch nie einen Fremden gesehen haben. Bleibt geduldig und versucht jedem so zu begegnen als wäre er der Erste. Letztlich macht ihr euch damit die größte Freude und verbringt eure Zeit in Indien nicht im Gram.
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  4. Übernachten. Campen fällt in Indien flach. Schlägt man irgendwo sein Zelt auf, dauert es nicht lange und man ist von einer neugierigen Menge umringt. Die Inder kennen in diesem Sinne keine Privatsphäre, es wurde schon berichtet, dass sie das Zelt öffneten, um einen Blick ins Innere zu erhaschen.
    Hotels gibt es dafür schon ab 3-4 €. Hier ist ein dünner Stoffschlafsack hilfreich, da die Betten öfters dreckig sind.
    Meine liebsten Anlaufstellen waren aber Tempel und Ashrams. Diese stellen oft kostenlos Betten bereit. Ihr dürft zwar keinen Luxus erwarten, dafür werdet ihr oft herzlich aufgenommen. Auch bei Kirchen war ich öfters erfolgreich.
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  5. Verkehr. Der Verkehr in Indien ist vielerorts einfach nur nervtötend. Es ist einfach Chaos. Hinzu kommt noch das ständige Gehupe. Mein Tipp: lasst euch nicht einschüchtern. Fahrt auch ein bisschen ruppiger und drängt in Lücken, zumindest in den Städten. Man kann mit dem Verkehr mitfließen. Lasst aber auf jeden Fall Vorsicht walten.
    Haltet euch außerdem von den viel befahrenen Straßen außerhalb der Städte fern. Man findet auch viele kleine Straßen, die wenig befahren sind. Und macht euch auf schlechte Straßen gefasst. Manchmal sind die Straßen einfach nur ein einziges, riesiges Schlagloch.
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  6. Weiterreise Nepal ist sehr schön und man bekommt das Visum an der Grenze. Dasselbe trifft auf Sri Lanka zu, man muss aber einen einstündigen Flug auf sich nehmen, eine Fähre gibt es leider nicht mehr. Beide Länder sind auch ausgezeichnete Plätze um das Visum zu bekommen.
    Eine Weiterreise nach China ist leider nicht möglich und von Pakistan ist abzuraten, da es zurzeit sehr gefährlich ist. Myanmar ist möglich, es ist aber ein etwas schwieriger Prozess, ihr müsst mit einer Reiseagentur in Kontakt sein und das genau Datum eurer Grenzüberquerung angeben. Zudem braucht man Permits für die sieben Staaten in Nordostindien.
    Hier dazu ein Link zu einem Beitrag in Radreise- & Fernradlerforum und mehr Infos auf GoMyanmar.
  7. Loslassen. Lasst los! Ja, Indien kann anstrengend sein. Indien kann nerven. Indien kann euch zur Weißglut treiben. Aber dann verpasst ihr Indiens Schönheit. Und auch die ist zu finden. In der bunten Andersartigkeit dieses Landes, in Dörfern und den Leuten.
    Ja, manchmal möchte man am liebsten den 50 Indern, die einen schon wieder anstarren zurufen, sie sollen sich doch mal verflüchtigen. Und wenn der nächste LKW einen von der Straße abgedrängt hat, ärgert man sich. Aber all das geht vorbei. Wenn ihr bewusst damit umgeht, könnt ihr daraus nur wachsen und das nächste schöne Erlebnis kommt bestimmt.

Ist Indien abschließend nun ein gutes Land zum Radreisen? Ja und nein. Es kommt darauf an, was ihr erwartet. Wenn ihr eine Erfahrung und Herausforderung haben wollt, ist Indien richtig für euch. Wenn ihr Spaß und eure Tour genießen wollt, werdet ihr nicht immer glücklich. Indien ist ein Land der Extreme. Ihr werdet sowohl seine schöne als auch seine hässliche Seite kennen lernen.

Falls du noch Fragen hast, kannst du mir gerne einen Kommentar da lassen!  Weitere Tipps und Tricks zum Thema Radtouren und Radreisen findest du hier!

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