Road to Rishikesh

Am nächsten Morgen geht es eher weniger spannend auf der Hauptstraße weiter Richtung Norden.

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Am Nachmittag jedoch fahre ich abermals an Indern, diesmal eine Gruppe Bauarbeiter, vorbei, die mich zum Anhalten bewegen möchte. Wieder will ich nicht, da es einfach zu viel ist. Da greift mich einfach ein stämmiger Bauarbeiter und hält mich an. Jetzt koche ich aber wieder. So sehr, dass ich das Ganze fast zum Eskalieren bringe. Wären nicht die die anderen Bauarbeiter gewesen, wäre zischen mir und dem, der mich angehalten hat wohl eine Schlägerei entbrochen. Die Nerven liegen nun mal blank und sowas ist dann eben das i-Tüpfelchen.

Später bin ich wieder abgekühlt, da fährt er auf einem Traktor an mir vorbei. Und er ist anscheinend auch abgekühlt. Er hält und entschuldigt sich, dann geben wir uns beide die Hände und er fährt wieder weiter.

Am späten Nachmittag entdecke ich noch einen Haufen Kinder am Straßenrand, die auf Karton einen großen Erdhaufen runter rutscht. Sie lachen und grad Spaß scheint es zu machen.

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Am Abend fahre ich in die Stadt Agra ein. Ich stolpere über ein Schild, das sagt, „4km to Taj Mahal“. So ein Zufall! Ich hatte eigentlich nicht vor, das Taj Mahal zu besuchen. Aber jetzt, wo es zufälligerweise so nah vor meine Nase gesetzt wird, muss ich es ja fast anschauen. Das mache ich auch dann am nächsten Morgen.

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Danach radle ich wieder weiter. Am Straßenrand sehe ich mehr und mehr getrocknete Kuhfladen, wahrscheinlich zum Feuermachen.

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Am Nachmittag stoppe ich in einem Dorf, da robbt etwas Schwarzes auf mich zu. Das Schwarze ist eine Hündin und sie robbt, da sie beide Hinterbeine nicht mehr bewegen kann. Mein Herz ist sofort von Mitgefühl erfüllt, ich kaufe ihr zwei Packungen Kekse. Während ich diese an sie verfüttere, kommen mehr und mehr Dorfbewohner. Was ich mache, passt so gar nicht in ihr Weltbild und so fangen sie an über mich Witze zu machen und mich auszulachen. „Warum ich ihr denn nicht auch gleich meine Schlafmatte schenke?“ Bestürzt und traurig über das fehlende Empathievermögen verlasse ich das Dorf wieder.

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Weit komme ich aber nicht. Nach ein paar Kilometern ist Ende Gelände aufgrund eines Plattens. Ich schiebe das Rad noch zu einer Tankstelle, dann mache ich mich an die Reparatur. Es dauert nicht lange, da bin ich umringt von einer Gruppe Schaulustigen. Zwei davon können aber gut Englisch und so kann ich mich wenigstens ein bisschen unterhalten.

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Die Sonne war schon bei Reparaturstart am Untergehen und jetzt ist es fast dunkel. Doch ich habe Glück im Unglück. Der Tankstellenwart bietet mir einen Schlafplatz bei der Tankstelle an. So schlafe ich in einem kleinen Zimmer zusammen in einem Bett mit drei Tankstellenangestellten. Klingt unangenehm, ist mir aber zigmal lieber als jedes Hotel aufgrund der warmen Gastfreundschaft der Angestellten.

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Ganz so warm geht es am nächsten Morgen leider nicht weiter, die Früh bringt eine Eiseskälte mit sich. Ich friere mir fast meine Finger ab, als ich starte, gerade da ich meine langen Handschuhe verloren habe. Dafür wabern aber wunderschöne Nebelschleier dicht über die Felder.

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Am Mittag dann schon wieder der nächste Platte. Entweder der Reifen wird alt oder ein Stein ist drinnen. Das Problem diesmal: ich bin Mitten in einer Stadt und überall wo ich halte, bin ich gleich umringt. So schiebe ich mein Rad in irgendeine Nebengasse und repariere es in einem Hinterhof eines Inders, aber trotzdem nicht ganz alleine.

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Für die Nacht nehme ich mir dann am Abend in einer kleinen Stadt ein Zimmer. Am nächsten Morgen geht es dann weiter und Überraschung, es regnet!

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Regen, das hatte ich seit meinen Tagen im Iran nicht mehr. Und so ist die Freude groß, den feuchten Bekannten einmal wieder zu treffen.

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Über den heutigen Tag treffe ich wieder und wieder auf Polizeisperren. Die Straße ist dann komplett gesperrt und der Umweg geht über die örtliche Müllhalde.

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Auch als ich am Abend in der Stadt Najibabad ankomme ist überall Polizei zu sehen. Und nicht nur das, auch so gut wie alle Hotels sind voll. In einem Hotel erklärt sich jedoch ein Angestellter bereit, mir bei meiner Suche zu helfen. Wir klappern weitere Hotels ab. Eines hat ein Zimmer frei. Während mein Helfer mit dem Chef wegen anderen Sachen im Büro verschwindet, lasse ich mir die Zimmer zeigen. Die Zimmer sind sehr schmutzig, mit braunen und gelben Flecken auf den Betten. Beidem Angestellten erkundige ich mich noch um den Preis. Mit ernster Miene beugt er sich zu mir und nennt 1.500 Rupie. In seinen Augen war bereits zu erkennen, dass er mich nur abziehen will, sie strahlen richtig eine Unehrlichkeit aus. Ich lasse mir aber nichts anmerken und nicke nur ernst zurück. Da er so glaubt mich in der Tasche zu haben, erhöht er gleichmal auf 2.000 Rupie.

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Auch der Chef kann später nichts mehr retten, als er den eigentlichen Preis von 600 Rupie nennt. Ich habe bereits entschlossen, hier bleibe ich nicht, diese Leute sind mir zuhöchst unangenehm. So habe ich zwar kein Zimmer, bin aber auf der Seite des Bauchgefühls.

Mein Helfer entschuldigt sich für den Zwischenfall, da er mir auch eigentlich eine günstige Bleibe versprochen hat. Er führt mich daraufhin zu einem sich im Bau befindlichen Kaufhaus. In einer Ladeneinbuchtung liegt ein älterer Herr vor einem Haufen Decken.

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Ich komme hier unter, mit ein paar Arbeitern in der Einbuchtung. Finde ich wieder einmal klasse, da es sich nach Abenteuer anfühlt. Zudem muss nichts zahlen und dafür nur Komfort einbüßen. Als Toilette dient eine Mauer auf der gegenüber liegenden Straßenseite.

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Am gibt es noch ein kleines Lagerfeuer. Und auf einem kleinen Wasserspender spielt ein knallrotes Handyradio eine vergessene Melodie. Ich könnte zufriedener nicht sein.

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Am nächsten Tag paddle ich die letzten fehlenden Kilometer nach Rishikesh noch weg.

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Dort angekommen suche ich mir ein Zimmer. Ich bleibe für über einen Monat dort um mir einen Satsang mit Mooji anzuhören. Mooji ist ein Erleuchteter, der aus Europa für Satsang hierhergekommen ist. Das Ganze ist eine wunderbare Erfahrung.

 

Datum: 03. Februar 2016 - 08. Februar 2016

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