Kambodscha

Gut ausgeruht geht es am nächsten Morgen weiter. Für heute steht Grenzübertritt nach Kambodscha an, jedoch sind es bis dahin noch 70 Kilometer durch Thailand.

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Auch heute zeigt die Sonne wieder keinen Funken Erbarmen und brät mit einer Intensität vom Himmel, die lediglich hier und da von einer Wolke unterbrochen wird. Um nicht als Rudolf 2.0 zu enden überklebe ich meine Nase etwas provisorisch mit Klebeband.

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Der heutige Tag bringt die einzige, bisher „schlechte“ Straße Thailands mit sich. Wobei schlecht sehr relativ ist. Die Straße ist nicht geteert, aber trotzdem wunderbar zu befahren, da sie glatt und eben ist. Damit ist sie trotzdem noch besser als der Großteil der indischen Straßen, da nichts schlimmer als eine geteerte, aber verfallende Straße ist.

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Was ich seit meinem Start wieder merke: Es tut sau gut wieder auf dem Rad zu sitzen. Ich weiß nicht warum, aber ich fühle mich richtig in meinem Element. Eine schöne Frische bringt auch, dass ich viel mehr im Moment fahre als früher. Ich erinnere mich noch an meine ersten paar Tausend Kilometer. Wie ich stets an all die Kilometer gedacht habe, die ich noch schaffen muss. Wenn man bereits eine Weile für 20 Kilometer gebraucht hat und noch 80 vor sich hat, ist das nicht gerade ein schöner Gedanke. Wenn man aber nicht an die Kilometer denkt, dann purzeln sie so vor sich hin. Und die Beine fühlen sich auch stärker an.

Der Grenzüberritt verläuft wieder einmal problemlos. Grenzübertritte sind eines meiner liebsten Sachen beim Radreisen. Man hat das Gefühl, dass man etwas geschafft hat, man musste ja etliche Kilometer zurücklegen um an die Grenze zu gelangen. Aber vor allem die Vorfreude auf das kommende Land, das es zu erkunden gilt, macht das Ganze besonders.

Auf der anderen Seite schlägt es bereits 15:00. Hier befindet sich die Grenzstadt Poipet, die auch Unterkünfte bietet. Ich entscheide mich aber dazu noch bis in das 50 Kilometer entfernte Sisophon zu fahren, auch wenn die Zeit etwas knapp ist.

Kambodscha scheint auf den ersten Blick definitiv ärmer. Anders als in Thailand fahren nicht mehr hauptsächlich Autos sondern wieder Motorräder auf den Straßen. Und auch viele der Häuser wirken mehr wie Hütten. Auf der anderen Seite ist die Straße aber weiterhin gut und so nähere ich mich schnell meinem heutigen Ziel.

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Ich muss aus Zeitgründen noch eine Einladung auf ein Bier ausschlagen, dann erreiche ich Sisophon um kurz nach 17:00. Für $5 bekomme ich bereits ein Zimmer im Guesthouse. Das Interessante: in Kambodscha kann man sowohl mit Riel (Kambodschas Währung) als auch Dollar zahlen. Oft zahlt man auch mit Dollar und bekommt Riel als Wechselgeld.

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Am nächsten Tag geht es bis zur Touristenhochburg Siem Reap. All die Touristen werden von der Tempelanlage Angkor Wat angelockt.

Der Tag verläuft relativ eintönig. Ich bin für 105 Kilometer auf der Hauptstraße unterwegs. Im Gegensatz zu Thailand ist das Straßennetz nicht so gut ausgebaut und so fällt es schwer auf eine kleinere Nebenstraße auszuweichen. Gerade auch, da ich schnell durch Kambodscha durch will. Ich habe mein Vietnam Visum etwas zu früh angesetzt und so bin ich ein bisschen in Eile.

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Auch Campen werde ich in Kambodscha sein lassen. Im Fahrrad Weltführer schreiben sie, dass immer noch jede Menge Minen aus dem Krieg herum liegen. Zwar sind die Areale um die Touristengebiete geräumt, jedoch weiß ich nicht, wie es neben den Hauptstraßen aussieht. Und ich möchte ungern den Eigenversuch wagen. Aber gottseidank sind die Guesthäuser günstig, auch in Sieam Reap bekomme ich ein Zimmer für $5.

Angkor Wat besuche ich am nächsten Tag. Die Tempelanlage ist wirklich schön und einen Besuch wert, bloß ist das Besichtigen von irgendwelchen Stätten, Palästen, Tempeln oder Museen nicht wirklich meins. Hier aber einige Impressionen:

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Auch die nächsten Beiden Tage verlaufen relativ ereignislos. Auf der Hauptstraße geht es weiterhin gen Osten. Rechts und links ziehen Hütten und Reisfelder vorbei. An Kilometern schaffe ich dafür einiges – zwischen 150 und 120.

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Langsam machen sich auch die Auswirkungen der starken Sonneneinstrahlung sichtbar. Auf meinen Armen entstehen lauter kleine Blasen. Überall wo ich hinkomme guckt schon jeder mit einem komischen Blick, was ich denn gemacht habe.

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Aber damit nicht genug. An der Stelle, an der mein Fahrradhandschuh ein Loch zwischen Klettverschluss und dem Rest des Handschuhs besitzt, wächst ein riesiges Geschwür aus meiner Hand.

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Nun gut, vielleicht war Klopapier doch nicht ein geeignetes Schutzmittel gegen die Sonne.

Um dem Getümmel der Hauptstadt auszuweichen, umfahre ich sie in diesen zwei Tagen nordöstlich. So kann ich mich am von meiner mehrtägigen Liebe, der Hauptstraße, trennen.

Es dauert aber nicht lange, da sehne ich mich fast ein bisschen nach ihr zurück. Ist die Nebenstraße, die mich bis knapp vor die Grenze führen soll, anfangs noch gut geteert, lässt sich das Ganze schnell mehr und mehr in dem Wort Schlammschlacht zusammenfassen.

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Es handelt sich um eine Erdpiste, die an manchen Stellen durch die Nässe zu Matsch verkommen ist. Glücklicherweise nur für ein paar Abschnitte, aber die Straße bremst mich dann doch so weit aus, dass ich am späten Nachmittag noch ganze 40 Kilometer von meinem Tagesziel entfernt bin. In zwei Stunden wird es dunkel, was tun?

In meinen Augenwinkeln erhasche ich den Blick auf einen kleinen Stand mit Papayasalat. Das klingt doch gut. Auf den Salat wartend, komme ich mit ein paar Schülern ins Gespräch. Sie können nicht viel Englisch, deswegen holen sich nach kurzer Zeit ihren Englischlehrer um sich besser zu verständigen.

Dieser spricht gleich an, was ich denn noch heute vorhabe, da die nächste Stadt noch weit entfernt sei. Auf meine Antwort, ich bin am Überlegen ob die Distanz heute noch machbar wäre, bietet er mir ein Bett im Schulhaus an.

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Ich brauche nicht lange zu überlegen, das Angebot nehme ich gerne an. Solche Einladungen sind immer wieder Highlights beim Reisen, da man so intensiver mit den Einheimischen in Kontakt tritt als sonst. So auch diesmal, denn als ich mich vor das Schulgebäude setzte, dass eigentlich das Haus des Lehrers ist, sammelt sich eine Gruppe Neugieriger, die mich mit Fragen durchlöchert.

Der Morgen des nächsten Tages beginnt für mich erst einmal wieder auf der Erdpiste. Ich bringe die letzten 40 Kilometer aber erstaunlich schneller hinter mich, in nur zweieinhalb Stunden.

Für heute Abend habe ich über Warmshowers einen Gastgeber in Ho Chi Minh gefunden. Mein Plan sah dies auch als Tagesziel vor, aber zusammen mit den 40 Kilometern, die ich gestern nicht mehr geschafft habe, stehen heute 160 an. So lege ich mich gleich von Anfang an ins Zeug. Gottseidank klebt mein Vietnamvisum bereits seit Bangkok im Reisepass, so brauche ich für den Grenzübertritt kaum mehr als ein paar Minuten.

Das Wichtigste um große Strecken zurück zu legen, ist meiner Erfahung nach, wenig Pausen zu machen. Eine halbe Stunde Pause kann einen 10 bis 15 Kilometer kosten, dass bekommt man kaum mehr zurück.

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Ho Chi Minh erreiche ich um 16:00. Mein Gastgeber wohnt jedoch auf der anderen Seite der Stadt. Also rein ins Getümmel. Getümmel trifft es gut, ich habe noch nie so viele Motorradfahrer auf einem Haufen gesehen.

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Glücklicherweise kann ich auf meine Erfahrung in Indien zurückgreifen und fahre auch etwas aggressiver und dränge in Lücken. So macht das Ganze Spaß. Außerdem zaubert mir die Tatsache, dass ich nach 160 Kilometer genauso schnell wie die Motorräder im Straßenverkehr bin, ein breites Grinsen auf das Gesicht.

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Gegen 17:00 erreiche ich meinen Gastgeber. Er geht selbst bald auf Welttour mit dem Fahrrad, wer des Englischen mächtig ist kann seine diese auf http://www.cyclingstew.com/ verfolgen.

 

Datum: 21. Juni 2016 - 03. Juli 2016

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