Back to Bangkok

Bis zur laotisch-thailändischen Grenze sind es noch zwei Radeltage. Von meiner kleinen Grippe habe ich mich nach der Pause gottseidank wieder gut erholt und so bin ich fit und bereit für das finale Wegstück in Laos.

Der vorletzte Tag ist allerdings nicht mehr viel von Abwechslung gekennzeichnet. Auf der Hauptstraße geht es Richtung Westen, rechts und links sind die üblichen Landschaften und Landstriche zu sehen.

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Was mir immer noch ein Rätsel nach all der Zeit ist: die Verteilung der Warenstände. Auf der gesamten Strecke habe ich keinen einzigen Stand entdecken können, der Messer anbietet, aber dann stehen auf einmal zehn Messerstände nebeneinander an der Straße. Das gleiche mit Kohle oder Bambus. Was die guten Leute dazu veranlasst, sich mit ihren Konkurrenten zusammen zu schließen? Wirtschaftlich sinnvoll ist es mal nicht.

Am letzten Tag gibt mir Laos dann aber nochmal einen Geschmack davon, was es aus- und auch so besonders macht. Um das letzte Stück bis zur Grenze abzukürzen, kann ich mich heute endlich von der Hauptstraße trennen und auf eine kleine Nebenstraße, die über mehrere Kilometer hinweg dem Mekong folgt, begeben. Der Komfort einer geteerten Straße fällt damit natürlich Weg (in Laos sind nur 15% des Straßennetzes geteert), dafür steigt der Spaßfaktor aber umso mehr. Und da auch noch ein leichter Schauer einsetzt geht es so munter durch den rötlichen Schlamm.

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Ein paar Stunden später an der Grenze ist aus dem leichten Schauer ein starker geworden. Ich bin froh, dass es warm ist, so brauche ich meine Regenjacke nicht. Die hat mittlerweile nach nasser Lagerung in den Radtaschen nämlich abartige Gerüche angenommen und eignet sich nun mehr um Leute zu vertreiben.

Mein Grenzübergang klappt erwartungsgemäß wunderbar. Visa-Runs werden zwar schwerer und schwerer in Thailand, da ich aber zwei Monate außer Lande war, bekomme ich wieder die vollen 30 Tage.

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Thailand ist das erste Land, in das ich ein zweites Mal auf dieser Reise einreise. Und siehe da, es fühlt sich auch alles gleich wieder vertraut an. Da das Rad immer noch mehr braun als schwarz ist, bekommt es zu allererst aber einmal einen Waschgang.

Danach versuche ich ein Ticket nach Pak Chong zu bekommen. Der Zug nimmt leider keine Räder mit, aber beim Bus habe ich Erfolg. Von der Grenze bis nach Pak Chong sind es etwa 800 Kilometer. Ich kürze also ein riesiges Stück ab, von dort bleiben nur noch 250 km bis Bangkok. Warum? Thailand ist ein wunderschönes Land, freundliche Leute, gutes Essen und wunderbare Straßen. Was ich allerdings bemerkt habe: der größte Reiz am Radreisen ist mir das Abenteuer. Bei Minusgraden in der georgischen Hochebene übernachten oder in Laos Erdpisten durch den Dschungel folgen. Das macht mir Spaß und das bleibt mir in Erinnerung. Thailand ist mir zu zivilisiert, so lustig das klingt. Ich kann aber sehr gut verstehen, warum es so viele zum Reisen und Radreisen lieben.

Die gewonnene Zeit will ich stattdessen im Kloster verbringen. Ich war bereits ganz am Anfang meiner Reise in Südostasien in einem Tempel in der Nähe von Pak Chong und nun zieht es mich dort wieder hin. Südostasien endet somit, wie es angefangen hat. Klingt das nicht episch?

Gar nicht so episch ist dagegen, dass ich um 02:00 nachts in Pak Chong aus dem Bus geworfen werde. Ein Déjà-vu zum Iran sozusagen. Das ist aber nicht ganz ungeplant, meine Rechnung ist, dass ich mir so die Hotelkosten für heute Nacht spare.

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So mache ich mich in der Dunkelheit auf Richtung Kloster. Das sind immerhin noch 50 Kilometer. Zu meinem Erstaunen, verkauft der ein oder andere Straßenstand auch schon um die Zeit Essen.

Das Nachtfahren stellt sich als reinster Wohlgenuss für die Seele heraus. Es ist unglaublich still, einzig das Treten der Pedale ist zu hören. Kaum ein Auto ist unterwegs und über allem liegt eine bemerkenswerte Ruhe und Stille.

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Einzig die Hunde sind nachts noch aggressiver als am Tag. So kann ich aber meinen tierischen Tendenzen freien Lauf lassen. Ich muss zugeben, dass ich nach den vielen Begegnungen mit den Kläffern dieser Welt auch zu einem halben Hund geworden bin. Wenn mich einer mal wieder so unverschämt anbellt, dann kann ich nicht anders, dann muss ich meinen Rang im Rudel klar stellen. So etwas geht nämlich einfach nicht. An alle Kinder: haltet euch von solchen Praxen lieber fern, sie könnten sich negativ auf die Gesundheit auswirken. Dass ich bei so vielen Rang- und Revierbehauptungen nur im Schneckentempo vorankomme ist natürlich etwas ärgerlich. Aber zumindest bin ich nun der größte Macker im Hundereich um Pak Chong.

Was meinem Schneckentempo natürlich auch noch zutut ist, dass ich um die Uhrzeit einfach nicht bei vollen Kräften bin. Aber immerhin nicht müde, das Radfahren hält einen erstaunlich gut wach. So vergeht Stunde um Stunde und als der Morgen langsam graut befinde ich mich endlich auf dem Endspurt.

Am Kloster angekommen ist es bereits hell. Ich gucke auf die Uhr und siehe da, ich bin seit über 23 Stunden unterwegs auf Reisen. Ein einsamer Rekord, der wird sich aber auf der Statistik-Seite sicher sehr gut machen.

Im Kloster bleibe ich für ganze zehn Tage. Wer sich frägt, warum ich hier überhaupt aufkreuze, der frägt gut. Eigentlich habe ich nicht allzu viel mit Teravada, der hier praktizierten Form des Buddhismus, zu tun. Ich würde mich auch noch nicht einmal als Buddhisten bezeichnen. Buddhismus enthält für mich viele Weisheiten, aber das Dogma und die Moral stören mich. Das ist natürlich ein anfechtbarer Standpunkt. Nichts desto trotz genieße ich aber den Aufenthalt im Kloster. Das ist vor allem wegen der täglichen Meditation, der Stille und Einfachheit des Klosterlebens. Das Ganze ist irgendwie erfrischend und man kann sich für eine Zeit einmal auf das Wesentliche konzentrieren ohne eine Vielzahl an Ablenkungen. Dass ich aufgrund von Platzmangel das schönste Zimmer bekomme, das normalerweise den zu Besuch kommenden Mönchen reserviert ist, stört mich natürlich nicht im Geringsten.

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Nach den zehn Tagen wird es dann Zeit, zurück nach Bangkok zu kehren. Der erste Tag wartet noch einmal mit einer wunderschönen Landschaft auf sich. 70 Kilometer geht es durch einen zauberhaften Nationalpark. Die Straße führt durch weitläufige Wälder, aus deren Baumwipfeln die unterschiedlichsten Schreie wilder, fremdartiger Tiere tönen, alles ist satt und grün und hin wieder blickt man in die Augen eines kleinen Affens, der sich schützend im Dickicht des Waldes verbirgt. Eine zauberhafte Stimmung und ich könnte der Straße auch noch 500 weitere Kilometer folgen.

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Leider ist sie viel zu schnell vorbei, aber immerhin entlässt sie mich mit einem 30 Kilometer langen Gefälle in die tiefer gelegene Ebene, die meine letzte Etappe nach Bangkok markiert.

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Ein paar Kilometer hält der Tag noch für mich bereit, gottseidank auf kleinen, ruhigen Nebenstraßen. Hier passiert es mir aber das erste Mal auf meiner Tour, das mein Orientierungssinn einfach völlig versagt. Irgendwie zeigt mein Handynavi an, dass ich abseits der Straßen, mitten im nirgendwo bin und irgendwie entferne ich mich immer weiter von meinem Ziel. Auch die Dorfbewohner sind mir nicht hilfreich. Erst ein Blick auf den Kompass enthüllt, ich befinde mich auf Kurs Nord, wo ich doch nach Süd-West muss. Nun, so habe ich den Kompass die Tour über zumindest nicht umsonst mitgeschleppt.

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Ein paar Minuten später treffe ich auf einen Thai, der mich wahnsinnig freudig begrüßt. Ich bleibe stehen, da ich bei so etwas gerne Zeit mit den Einheimischen verbringe. In den Augen des Mannes glaube ich aber zu erkennen, dass er nicht so nett ist, wie er scheint. Aber hei, er schenkt mir eine Sprite, da werde ich wohl falsch liegen. Als die Pfeife mir aber ein paar Sekunden später versucht an den Schritt zu fassen, weiß ich, vertraue nächstes Mal wieder auf deine Intuition. Was in dem Kopf von diesem Typen wohl schief gegangen sein muss? Ich denke mir einfach nur: was zum Teufel? Wie kann man nur so plump und dämlich sein? Als hätte ich Interesse mich mit einem grauhaarigen Typen rumzumachen?

Lesson learned: Wenn man weiß, was einem die Intuition über Menschen sagt, dann dem lieber folgen, bloß eben nicht mit Konditionierung verwechseln. Eine gute Sache ist es immer, den Leuten in die Augen zu schauen, meiner Erfahrung nach sagen die immer viel aus.

Bangkok erreiche ich am Nachmittag des nächsten Tages. Besonders scharf bin ich auf den Großstadtverkehr zwar wirklich nicht, aber was getan werden muss, muss halt getan werden und die günstigen Hotels liegen im Zentrum. Also ab ins Getümmel oder Getümmelgetümmel. Ich kann zwar auch hierin wieder ein bisschen Spaß finden, aber aufgrund der vielen Autos bin ich dann doch mehr als froh, als ich schließlich das Hotel erreiche.

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Datum: 11. August 2016 - 27. August 2016

2 Comments on “Back to Bangkok

  1. Servus Samuel,

    bei uns beginnt nun nach einer langen Schönwetterphase die „Regenzeit“.
    Nachdem ich deine ganze Reise verfolgt habe, glaube ich zu wissen, dass du es gerne magst, wenn es regnet. Die ideale Zeit heimzukommen 😉 ?!
    Radelst du noch ein Stück durch Europa, wie du es geplant hattest?

    Ich bin schon sehr gespannt, wie deine „Reise“ weitergeht und freue mich auf eine Filmzusammenfassung, die du wohl planst, wie ich gelesen habe.

    Du und die Hunde. Der rote Faden der Reise…

    Liebe Grüße
    Marion

    • Hallo Marion,

      ich bin mittlerweile zuhause. Ich habe mich dazu entschieden, die Reise in Bangkok zu beenden, da ich so im Oktober auf ein Retreat in Amerika gehen kann, auf das ich mich sehr freue. Es hat sich so angefühlt, als wäre das Radreisen einfach geworden und ein weiteres persönliches Wachstum zur Stagnation verurteilt. Das Retreat ist das Gegenteil.

      In der Tat plane ich bereits den Film. Der wird aber noch etwas dauern, es wird wahrscheinlich einiges an Arbeit rein fließen. Vielleicht schaffe ich es auch noch alles zu einem kleinen Buch zusammen zu schreiben. Mal sehen.

      Liebe Grüße
      Samuel

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